Digitales Multitasking // Ist “Skimming” das neue Lesen?

Verlieren wir ,trotz immer mehr und einfacherem Zugang zu Informationen, die Fähigkeit damit umzugehen? Ist “Skimming” das neue Lesen?

Kennt Ihr das Gefühl, sich in einer Geschichte oder einer Situation selbst zu erkennen – manchmal fast zu erwischen? Mich selbst wiederentdeckt habe ich heute in einem Artikel von James Frost:

Titel: Singletasking

Er beschreibt darin, wie er an sich selbst feststellt immer schlechter im Konzentrieren auf eine einzelne Aufgaben zu werden:

Im Hinterkopf der Gedanke was denn wohl wer gerade auf Twitter zu sagen hat und ob denn nicht auch im RSS Reader neues Lesematerial angespült wurde.
Schnell findet man sich selbst im digitalen Teufelskreis:

Feedreader -> Twitter -> Facebook -> Email -> offene Browser-Tabs -> Feedreader -> Twitter usw.

Die ursprüngliche Aufgabe bleibt nicht unbedingt liegen. Sie wird so nebenbei und zwischendurch erledigt. Hochkonzentriert bei der Sache ist man dabei allerdings nicht.

Selbst der spannende Artikel wird  manchmal nur überflogen, der Link dahin aber fleißig getweetet, geblogged, geshared etc. Mich von Grund auf in ein interessantes Thema “einzulesen”, bücherweise Literatur zu verschlingen – dazu kommt es oft gar nicht mehr. Die schlimme Vermutung ist nun, dass dieses Multitasking-Problem auch mit dem Abschalten der digitalen Helferlein nicht gelöst ist.

Auch “Offscreen” also der Zeitungsartikel oder das Buch (wenn man es denn überhaupt noch liest) wird weniger konzentriert und aufmerksam gelesen als es noch vor Twitter & RSS der Fall war.

“Skimming” –  Scheint dem Lesen den Rang abzulaufen.

Und dieses Gefühl beschleicht mich nicht nur bei meinem öden Privatkram:

Lese (nicht überfliege) ich die Online-Portale, gewisser großer Deutscher Verlage, so kommt auch hier manchmal das mulmige Gefühl der Verfasser habe, statt tiefgreifender Recherche, vielleicht nebenbei wohl eher seinen Facebook-Stream gecheckt. Pressemeldung Copy & Paste Ahoi!
Klar ist das kein Gesamtzustand. Natürlich gibt es weiterhin gut-recherchierte Artikel und am richtigen Buch hängt man wie bisher auch mal bis die Augen zufallen.

Der Trend zu Skimming vs. Lesen / Multitasking vs. Singletasking gefällt mir so gar nicht. Eigentlich reagiere ich ziemlich allergisch gegen Meinung ohne Fakten und schnell dahergesagte Thesen. Muss aber schamlos zugeben den besagten Artikel- guesswhat- Beim schimpflichen RSS-Reader Skimmen gefunden zu haben. Die große Frage zum Schluss:


Geht es jetzt hier nur mir so oder entdeckt Ihr euch auch ein Stückweit wieder?
Den ganzen Kram hier gelesen oder überflogen ;) ?

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4 comments

  1. Mir geht es manchmal genauso. Diese ganzen Dienste vermitteln einem das Gefühl etwas zu verpassen. Man möchte immer dabei sein und die Vorteile nutzen. Aber ist selbst dann nicht mehr konzentriert genug. Zu diesen ganzen Diensten kommen ja noch “Reallife”-Aktivitäten/-Anfragen/-To-Do’s etc. pp. Information overflow quasi. Egal ob bei Twitter oder im RSS Reader, man liest oder überfliegt ohne evtl. eigene Recherche und “bildet” sich so eine “Meinung”.

    Es schluckt Zeit, die man auch anders verwenden kann. Ist aber auf der anderen Seite ein tolles Kommunikationsmedium (Twitter), eine schnelle Informationsquelle diverse Interessensgebieten (Feedreader) etc.

    Mal sehen, wie es sich weiter entwickelt. :D

  2. DEN Artikel hab ich tatsächlich mal gelesen – das Phänomen ist aber allgegenwärtig. Man kommt sicherlich so langsam an die Grenze dessen, was ein durchschnittlich begabter Mensch an Information verarbeiten, verstehen und verwenden kann. Interessant fand ich, dass z.B. Google Wave bereits von vielen wohl auch aus diesen Gründen als Informationsoverkill abgelehnt wurde.

  3. Danke für Eure Kommentare! Ben, genau was du sagst war mein erster Gedanke als ich die ersten GoogleWave Videos gesehen habe. Noch schneller, noch mehr Info??
    Hab mich bis heute noch um keine Einladung bemüht und scheine bisher auch nichts zu vermissen. Klar, irgendwann muss sowas dann allein aus Neugierde schon auch mal ausprobiert werden. Momentan kann ich auf noch mehr Zeitfresser allerdings verzichten. Habe grade Instapaper für mich entdeckt und komme so endlich mal wieder zum LESEN ;)

  4. Habe den Artikel von vorn bis hinten gelesen – und mich wiedererkannt. Zumindest, was meinen Informationskonsum an manchen Tagen angeht.
    Ich glaube, dass es für den Umgang mit der Informationsflut noch keine brauchbare Lösung gibt außer dieser: Dass man von vornherein die Zahl der benutzten Quellen stark begrenzt… Ob das allerdings vor dem Drang schützt, mal eben schnell den Facebook-Account zu prüfen, weiß ich leider auch nicht.
    Muss jetzt auch weiter….
    Gruß, Christian

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