Rummgedachtes


18
Apr 10

Flattr – Wieviel Euro ist euch das Web wert?

Es war ja mal wieder Deutschlands-Webklassentreffen: re:publica 2010 Leider konnte ich wegen einem Abitur auf der ToDo-Liste nicht live dabei sein. Trotzdem schwappt über Twitter und Feedreader die Inspirationswelle, doch auch auf den heimischen Screen über.

Neben einem “gehirnwegblasendem” Vortrag von Peter Kruse zum Thema “Digital Natives vs. Digital Visitors”, hat dabei auch Pirate-Bay-Gründer Peter Sunde seinen neuesten Sprössling vorgestellt: FLATTR
Die Idee ist dabei so einfach und doch so genial. Besser erklären können das aber die Macher selbst:

Sofort kommen natürlich die üblichen Fragen:
“Was ist mit der kritischen Masse?”, “Was verdient Flattr dabei?” “Was passiert mit meinen Daten?” “Ist das nicht nur ein anderes PayPal usw? “ usw..
Diese Fragen haben alle Ihre Berechtigung und werden mit entscheidend über den Erfolg von Flattr sein. Momentan ist Flattr aber sowieso noch eine closed-Beta, d.h. mitmachen klappt nur per Invite-Code. Wir werden sehen.

Viel interessanter finde ich jedoch die Frage ob und wieviel wir tatsächlich bereit sind, für unsere tägliche Dosis Web-Input zu zahlen? Nicht was würdet ihr für Projekt XY spenden oder was würdet ihr für eine Ausgabe von Zeitung-Z auf dem iPad zahlen?

Was würdet ihr pauschal im Monat für ALLE Inhalte, die ihr im Web konsumiert zahlen?

Wenn es möglich wäre einen Betrag festzulegen, der dem Wert entspricht den die Inhalte die ihr lest, schaut und hört für euch haben – Wieviel EURO wären das?

Die Antwort auf diese Frage ist wohl entscheidend für den Erfolg und die Aufrechterhaltung des Netzes wie wir es kennen und lieben. Weil ich die Frage so spannend find habe ich unter diesem Beitrag gleich noch eine kleine Umfrage eingebastelt. Je mehr Meinungen desto representativer und spannender wird die Diskussion natürlich ;-)

Wieviel €uro groß wäre dein monatlicher "Flattr-Kuchen"?

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16
Dez 09

Marktlücke für Lokalmagazine?

Im Foyer des Münchner Volkstheaters steht unscheinbar in einer Ecke ein kleiner Stapel Magazine. Der Magazin-Junkie in mir muss sowas natürlich erstmal auschecken:

Also, “CURT” entdeckt. Soso, Stadtmagazin München – Kenn ich ja noch gar nicht. Ein gutes Stadtmagazin wünsche ich mir doch schon lange…
Beim ersten Durchblättern dann ein ziemliches “Oho” über die feine Anfassqualität und das echt profimäßige Layout. Nach Theater und in aller Ruhe zu Hause dann ein Zweites “Oho!”.
Auch inhaltlich eine frische Mische aus lokalen Beiträgen und dem Blick über den Tellerrand + anders als sonst, fast erschreckend wenig Werbung:

Da wären dann zum Beispiel:
• 8 Seiten über die Graffiti und Streetart-Historie von München
theyesmenfixtheworld & wearewhatwedo.de unter “die Kunst des Lächelns”
• Interviews mit Element of Crime, Röyksopp, Sido und Tocotronic

Wie ich auf der Webseite rausgefunden habe erscheint “CURT” 1x jedes Quartal. Ebenso übrigens für den Raum Erlangen/Nürnberg.

Das gute Stück gibt’s ummasunst in so netten Läden wie z.B. Café Kosmos, am Hochhaus, Bergwolf u.v.m. Faule oder Nichtfinder können sich das Heft sogar zuschicken lassen- ebenfalls für umme.

Summa summarum also ein kleiner Schritt in Richtung Traum-Stadtmagazin.
Genau hier machte ich mir dann einen smarten Gedanken, den ich natürlich nicht vorenthalten kann:

Haben wir da nicht eigentlich eine ziemliche Marktlücke?

Im Lokalteil der Tageszeitungen scheint mir oft der Platz für die etwas ausführlicheren tiefer-gehenden Artikel, die “größere Perspektive” also, zu fehlen: Wohin entwickelt sich die Stadt? Was könnte man besser machen? Wie läuft es in anderen Städten? Wie kann man sich beteiligen? Wer bewegt was im eigenen Viertel?
Solche Fragen lese ich im Lokalteil unserer lieben Süddeutschen doch nur selten.

Klar gibt es auch auf Papier bereits viele so-called “Stadtmagazine”aber alle ,die ich bisher kenne, (PRINZ, In-Muenchen) sind im Wesentlichen nicht mehr als ein große Location- und Event-Promotion.
Weitergedachte Artikel und echte redaktionelle Inhalte sind da Mangelware oder sogar Fehlanzeige. Wie auch- wenn ein Magazin wie Prinz über 200 Städte gleichzeitig Bescheid wissen will!

Gibt es diese Marktlücke wirklich, oder ist das mein persönliches Wunschdenken?
Berlin, Köln Hamburg? Wärt Ihr bereit für ein gutgemachtes Magazin monatlich auch etwas zu bezahlen?


26
Okt 09

Digitales Multitasking // Ist “Skimming” das neue Lesen?

Verlieren wir ,trotz immer mehr und einfacherem Zugang zu Informationen, die Fähigkeit damit umzugehen? Ist “Skimming” das neue Lesen?

Kennt Ihr das Gefühl, sich in einer Geschichte oder einer Situation selbst zu erkennen – manchmal fast zu erwischen? Mich selbst wiederentdeckt habe ich heute in einem Artikel von James Frost:

Titel: Singletasking

Er beschreibt darin, wie er an sich selbst feststellt immer schlechter im Konzentrieren auf eine einzelne Aufgaben zu werden:

Im Hinterkopf der Gedanke was denn wohl wer gerade auf Twitter zu sagen hat und ob denn nicht auch im RSS Reader neues Lesematerial angespült wurde.
Schnell findet man sich selbst im digitalen Teufelskreis:

Feedreader -> Twitter -> Facebook -> Email -> offene Browser-Tabs -> Feedreader -> Twitter usw.

Die ursprüngliche Aufgabe bleibt nicht unbedingt liegen. Sie wird so nebenbei und zwischendurch erledigt. Hochkonzentriert bei der Sache ist man dabei allerdings nicht.

Selbst der spannende Artikel wird  manchmal nur überflogen, der Link dahin aber fleißig getweetet, geblogged, geshared etc. Mich von Grund auf in ein interessantes Thema “einzulesen”, bücherweise Literatur zu verschlingen – dazu kommt es oft gar nicht mehr. Die schlimme Vermutung ist nun, dass dieses Multitasking-Problem auch mit dem Abschalten der digitalen Helferlein nicht gelöst ist.

Auch “Offscreen” also der Zeitungsartikel oder das Buch (wenn man es denn überhaupt noch liest) wird weniger konzentriert und aufmerksam gelesen als es noch vor Twitter & RSS der Fall war.

“Skimming” –  Scheint dem Lesen den Rang abzulaufen.

Und dieses Gefühl beschleicht mich nicht nur bei meinem öden Privatkram:

Lese (nicht überfliege) ich die Online-Portale, gewisser großer Deutscher Verlage, so kommt auch hier manchmal das mulmige Gefühl der Verfasser habe, statt tiefgreifender Recherche, vielleicht nebenbei wohl eher seinen Facebook-Stream gecheckt. Pressemeldung Copy & Paste Ahoi!
Klar ist das kein Gesamtzustand. Natürlich gibt es weiterhin gut-recherchierte Artikel und am richtigen Buch hängt man wie bisher auch mal bis die Augen zufallen.

Der Trend zu Skimming vs. Lesen / Multitasking vs. Singletasking gefällt mir so gar nicht. Eigentlich reagiere ich ziemlich allergisch gegen Meinung ohne Fakten und schnell dahergesagte Thesen. Muss aber schamlos zugeben den besagten Artikel- guesswhat- Beim schimpflichen RSS-Reader Skimmen gefunden zu haben. Die große Frage zum Schluss:


Geht es jetzt hier nur mir so oder entdeckt Ihr euch auch ein Stückweit wieder?
Den ganzen Kram hier gelesen oder überflogen ;) ?


17
Okt 09

Solarhäuser, Nation-Branding & Deutschland als “Nachhaltigkeits-Nation” ?

Team Deutschland Solarhaus

“Team Deutschland” von der TU-Darmstadt hat zum zweiten mal nach 2007 den Decathlon, einen vom US-Ministerium für Energie  initiierten Wettbewerb zum Thema Solarhäuser, gewonnen. Good.is dazu in einem Satz:

“surPLUShome is, in essence, a two-story cube covered in solar panels. Inside there aren’t any closed-off “rooms”—just one continuous space…it produces three times as much energy as it uses.”

Mehr zum grundlegenden Konzept und warum das Haus so aussieht, wie es aussieht:

mehr Infos: 1. Projekt-Website des Team Deutschland 2. Offizelle Seite zum Solar Decathlon + Infos zu den anderen Teams

Sicher zeigen Projekte wie dieses in erster Linie was “technisch” drinn ist. Realistische, bezahlbare Möglichkeiten im Hausbau sehen zurzeit bestimmt anders aus.

Interessant festzustellen finde ich dabei allerdings, wie Deutschland im internationalen Vergleich als Vorbild und Vorreiter gesehen wird. 2x O-Ton:

“Germany has been taking energy efficiency seriously for a while now—their Passivhaus green building standard is much more rigorous than LEED—and it’s paying off.”
- Andrew Price bei Good

“An impressive final score of 908 points out of 1,000 secured the country’s reputation for engineering and technical prowess, lighting the way for a solar powered future.”
- Mike Chino bei archinect.com

Nation Branding -Also wie ein Land als “Marke” auf Andere wirkt – ist für mich ein unglaublich spannendes Thema. Wie der Zufall so will schneidet auch “The Monocle Weekly” (iTunes) in der aktuellen Folge genau dieses Thema an:

Simon-Anholt , “The Godfather of Nation Branding”, erklärt darin, dass und warum unsere “Länder-Schubladen” sich nur langsam öffnen und schließen.
Im “Webzeitalter”, denke ich, müsse sich unsere Klischees jedoch immer schneller und öfter NEU definieren.
Eine Positionierung als “Nachhaltigkeits Nation” hört sich zwar irgendwie nicht nach dem Deutschland an das ich kenne -ist aber ein willkommen frischer Aspekt in aktueller Nachhaltigkeit vs. Wirtschaft Diskussion.

Nur mal so samstäglich rummgedacht, natürlich..